Teaser

Aus Kafa nach Süderstapel

Besuch in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge: Äthiopier tauschen sich über Ökotourismus aus.

Die Hochzeitstruhe in Elke Wegmanns Ferienhaus erinnerte die afrikanischen Gäste an eigene Traditionen.
Die Hochzeitstruhe in Elke Wegmanns Ferienhaus erinnerte die afrikanischen Gäste an eigene Traditionen.

Süderstapel Die meisten von Elke Wegmanns Gästen kommen aus Schleswig-Holstein und den angrenzenden Bundesländern, manche auch aus dem Süden der Republik oder sogar den Nachbarländern. Eine so weite Anreise wie an diesem Tag hatte aber noch kein Besucher. Drei äthiopische Fachleute in Sachen Ökotourismus und Naturschutz besuchten das „Fjord Gestüt Wegmann“ gemeinsam mit Anne Evers vom NABU und Yannek Drees von der Eider-Treene-Sorge GmbH.
 
Yitayal Admasu, Tilahun Teshome und Muluken Mekuria arbeiten im Kafa-Biosphärenreservat, dem ersten seiner Art in Äthiopien. Mit rund 760.000 Hektar ist seine Fläche etwa halb so groß wie Schleswig-Holstein. Einen großen Teil der Fläche bedecken immergrüne Bergnebelwälder, in denen die letzten Vorkommen des wilden Arabica-Kaffees wachsen. Die Verbindung stellte der NABU her, denn Jahr für Jahr zieht es deutsche Vogelkundler und –freunde nach Kafa. Dort gibt es zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten zu sehen. Um das Herkunftsland der vielen Gäste näher kennenzulernen, findet zurzeit der erste Gegenbesuch statt.
 
Zwei Monate lang besuchen die drei Afrikaner verschiedene Gebiete in Schleswig-Holstein. Zwei Wochen wohnten Sie in Bergenhusen im Herzen der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge. Yannek Drees von der Eider-Treene-Sorge GmbH hat sich über die Anfrage von Seiten des NABU gefreut, ob er den Gästen etwas über den Tourismus erzählen und die Region zeigen könne. „Vorher waren Sie unter anderem auf Sylt und in St. Peter-Ording“, erzählt Drees. „Das sind natürlich ganz andere Strukturen als bei uns. Massentourismus haben wir gar nicht." Den Äthiopiern, so Drees weiter, habe gerade die Ruhe und die natürliche Umgebung an den Flüssen gefallen. Am Bargener Fähranleger etwa zeigte Drees die bekannte Fähre und erklärte auch, wie die Infrastruktur für den Kanutourismus aufgebaut wurde.
 
Ein Kontrast zu den Hotels und Promenaden der Küsten boten auch die Ferienwohnungen von Elke Wegmann in Süderstapel. Bis zu 30 Gäste können von hier aus ihren Urlaub in der Region gestalten. Vier Ferienwohnungen und zwei Reetdach-Ferienhäuser stehen ihnen zur Auswahl. Wegmann präsentierte auch die hauseigene Reitanlage, auf der Kurse angeboten werden. „Die meisten Gäste kommen zum Reiten her, aber viele wollen auch einfach ausspannen“, sagt Wegmann. Verstärkt kommen auch Reitergruppen aus ganz Deutschland, um die Region auf dem Rücken der eigenen Pferde zu erkunden.
 
Die Afrikaner fanden Gefallen an der individuellen Ausstattung, die modernes Design mit alten Bauernmöbeln kombiniert. Spannend war unter anderem eine alte Hochzeitstruhe, denn in dieser Tradition ähneln sich die so weit voneinander entfernten Länder: Auch in Äthiopien wurde die Mitgift der Braut traditionell in einer Truhe mitgegeben. Heute sei es häufig anders, erzählte Muluken Mekuria. Jetzt gebe man vielerorts Smartphones, Autos und vergleichbare Statussymbole mit. Dennoch: Die traditionelle Verbindung besteht.
 
Nach dem Aufenthalt im Binnenland reisen die Äthiopier weiter ins Wasservogelreservat Wallnau auf Fehmarn.