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Müssen die Kreise ihre koordinierende Aufgabe stärker wahrnehmen?

Sechs Projekte im Supermarkt beschlossen/ Ämter setzen auf Entwicklungskonzepte

Kein „Tante Emma“-Laden mehr: Mit dem Wechsel nach Wester-Ohrstedt hat sich die Fläche des MarktTreffs Schultze mehr als verdreifacht.
Kein „Tante Emma“-Laden mehr: Mit dem Wechsel nach Wester-Ohrstedt hat sich die Fläche des MarktTreffs Schultze mehr als verdreifacht.

Wester-Ohrstedt Um die ersten Projekte der neuen Förderperiode zu beschließen, traf sich der Vorstand der AktivRegion Eider-Treene-Sorge im neuen MarktTreff von Maik Schultze. Nach einer Führung durch das moderne Gebäude ging es zur Sache: Gleich Sechs Projekte wurden beschlossen. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auf der Erarbeitung von Amtsentwicklungskonzepten.

Der Vorstand war sichtlich angetan vom neuen Wirkungsfeld Maik Schultzes, der 2014 von Witzwort nach Wester-Ohrstedt gewechselt ist. Hier beträgt die Ladenfläche 500 Quadratmeter, das sind mehr als dreimal so viel wie zuvor. „Damit sind wir kein Tante Emma-Laden mehr", sagte Schultze, „das ist schon eine Stufe größer." Mit dem höheren Platzangebot steigen auch die Möglichkeiten als multifunktionales Dorfzentrum: Unter anderem soll er auch Treffpunkt für die Bürger sein. Mit unter dem Dach: eine Bankfiliale, ein Bäcker und eine Ladestation für E-Mobile. Die nutzt Schultze übrigens auch selbst: Der MarktTreff-Transporter fährt zu hundert Prozent mit Energie aus der Steckdose. Auch wenn das Angebot hier alle Dinge des täglichen Gebrauchs umfasst, wünscht sich Schultze mehr Kommunikation mit den Kunden: „Was benötigt wird, können wir auch besorgen."

Auch auf anderer Ebene möchte man den Bürger fragen, was er braucht: und zwar seitens der sieben Ämter der AktivRegion. Die Gestaltung des demografischen Wandels stellt die Verwaltungen im ländlichen Raum vor Herausforderungen, die nicht allein bewältigt werden können. Vielerorts brechen die Nahversorger weg, Ärzte finden keine Nachfolger und Bankfilialen schließen. Von Kreisseite, da war man sich einig, werde zu wenig getan. Stefan Ploog, Vorsitzender der AktivRegion, fand klare Worte: „Die Kreise müssen ihre Ausgleichsfunktion und ihre koordinierende Aufgabe wieder stärker wahrnehmen!" Weil bei den Kreisen diese wichtige Aufgabe aus den verschiedensten Gründen nicht ausreichend bearbeitet werde, so Ploog, seien die Ämter gefordert, die Lücke zu schließen.

Unterstützung sollen vielerorts externe Berater bieten. Lutz Schnoor vom Amt Arensharde stellte zu diesem Zweck das Projekt„Masterplan Daseinsvorsorge" im Amtsgebiet vor. Auf Grundlage einer Bestandsaufnahme der Versorgungsstruktur und einer Bevölkerungsprognose soll mit aktiver Bürgerbeteiligung ein Umsetzungskonzept für die Zukunft erstellt werden. Am Ende steht ein klares Ziel: die Lebensqualität und die Zukunftschancen der Bürger erhalten und verbessern!

Das Amt Eggebek möchte die Energiewende nach dem Vorbild Pellworms gestalten. Das Projekt „SmartRegion Eggebek" soll helfen, die Energieversorgung langfristig zu optimieren und die regionale Wertschöpfung zu steigern. Zunächst ist eine Machbarkeitsstudie geplant. Möglich wäre ein intelligentes Stromnetz nach dem Vorbild der Wattenmeerinsel. Dort erprobt man derzeit die Speichermöglichkeiten von leistungsstarken Batterien, aber auch von Heizungssystemen in Privathaushalten. Am Ende sollen Stromerzeugung und -verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden. „Eggebek eignet sich hervorragend als Versuchsfeld", erklärte Lars Fischer vom Amt. Im ungenutzten Tanklager Tydal seien potenzielle Speichermöglichkeiten gegeben und die wachsende Windenergiebranche im Amtsgebiet produziere einen deutlichen Stromüberschuss.

Das Amt stellte zwei weitere Projekte vor: Das „Amtsentwicklungskonzept 2030" hat nicht zufällig Ähnlichkeiten mit dem Konzept im Nachbaramt Arensharde: Das Bewusstsein für die demografische Entwicklung ist auch hier geschärft. Auf eine Bestandsaufnahme und Zukunftsprognosen soll ein Umsetzungskonzept mit ersten Impulsprojekten folgen. Der Leitende Verwaltungsbeamte Klaus-Dieter Rauhut machte deutlich, dass die Bürger aktiv in die Entwicklung mit einbezogen werden sollen. Es gelte, so Rauhut weiter, den Bürgern die Angst zu nehmen und die Zukunft gemeinsam mit Ihnen anzugehen.

Als drittes Projekt möchte Eggebek – ähnlich wie das Amt Arensharde – ein Bürgernetzwerk ins Leben rufen. Der Unterschied: Während sich in Eggebek alles um Nachbarschaftshilfe dreht, soll in Arensharde die kommunale Bildungslandschaft ausgebaut werden. „Wer bewusst Bürger im ländlichen Raum ist, dem sind Gemeinschaft und Nachbarschaft wichtig," erklärte Rauhut. Das Amt möchte Ehrenämtlern die bestmögliche Unterstützung bieten. Denn ohne sie sind Aufgaben wie die Kita- und Seniorenbetreuung, Fahrdienste oder die derzeit besonderes Engagement fordernde Migrantenhilfe nicht zu bewältigen.

Die sich wandelnde Altersstruktur betrifft auch die Sportvereine. Weil viele Vereine und Gemeinden gegen- anstatt miteinander arbeiten, will die Gemeinde Viöl zusammen mit sechs Umlandgemeinden ein Sportentwicklungskonzept erstellen. Ziel ist zunächst eine Analyse der Siedlungs- und Vereinsstrukturen nördlich der Arlau. Danach soll gemeinsam mit Bürgern und Vereinen ein Handlungskonzept erstellt werden, das in erste Impulsprojekte mündet. „Das Konkurrenzdenken soll aufhören", betonte Viöls Bürgermeister Heinrich Jensen. Alleine, so Jensen, könne sich keine Gemeinde mehr leisten, was sie brauche.

Die Idee, eine Sitzung im MarktTreff abzuhalten, fand regen Anklang und soll fortgeführt werden. Noch im Juli ist der MarktTreff in Hennstedt fertig – dort wird der Vorstand beim nächsten Mal tagen.