Eider-Treene-Sorge GmbH
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Über den Tellerrand geschaut

Politiker und Fachkräfte aus dem zentralen Jütland besuchten für drei Tage die Eider-Treene-Sorge Region.

Uwe Paulsen lud die Gäste auf eine Fährfahrt ein – spannende und lustige Geschichten rund um die Eider inklusive.
Uwe Paulsen lud die Gäste auf eine Fährfahrt ein – spannende und lustige Geschichten rund um die Eider inklusive.

Ihr Ziel war es, mehr über die interkommunalen Strukturen zu erfahren, die hier seit mehr als 15 Jahren existieren. Auf einer dreitägigen Rundreise lernte das Gudenå Committee zahlreiche Gesichter und Projekte kennen. Weitere Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie.
 
Das Gudenå Committee ist eine Kooperation von sieben Kommunen im am längsten Fluss Dänemarks – der Gudenau. Es besteht aus politischen Vertretern der beteiligten Kommunen Viborg, Randers, Favrskov, Silkeborg, Skanderborg, Horsens und Hedenstedt. Es dient ihnen als Beratungsorgan für die Nutzung und den Schutz in Einzugsbereich des Flusses. Zudem reguliert es die nicht-industrielle Schifffahrt und die Erholungsinteressen der Kommunen. Woran es fehlt, ist eine handlungsfähige Organisation, die Projekte im Gesamtgebiet realisieren und nachhaltig sichern kann. Gegenwärtig, so Vize-Präsident Jens Peter Hansen (Randers), habe jede Kommune ihre eigene Entwicklungsabteilung. „Deren Aktivitäten“, so Hansen, „wollen wir in Zukunft stärker bündeln.“
 
Vor einer Rundtour durch die Region informierten sich die Gäste zunächst über die Arbeit der Eider-Treene-Sorge-GmbH. Deren Aufgabengebiet umfasst 122 Gemeinden in acht Ämtern und vier Landkreisen – eine Konstellation, die viele Herausforderungen, aber auch Chancen bietet. Als interkommunale Institution existiert die Eider-Treene-Sorge GmbH seit mehr als 15 Jahren. „Wir haben damals gemerkt, dass wir unsere Ziele schneller und effektiver erreichen, wenn wir über den Tellerrand schauen und zusammenarbeiten“, so Thomas Klömmer, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Die GmbH biete nicht nur Fachkenntnis über Regionalentwicklung und Fördermittel, die „so in den einzelnen Ämtern nicht zu leisten wäre“, führte Geschäftsführer Karsten Jasper weiter aus. Sie habe auch für viele Großprojekte, etwa die Entwicklung des Kanutourismus oder den Erhalt der Baukultur in den Landschaften Eiderstedt und Stapelholm, das Management übernommen.
 
Neben touristischen Projekten wie dem neuen Reisemobilstellplatz Friedrichstadt und dem Wikinger-Friesen-Weg standen einige Schwergewichte der Regionalentwicklung auf dem Plan. Im MarktTreff Wester-Ohrstedt etwa erklärten dessen Betreiber Maik Schultze und Ingwer Seelhoff von der ews group, was das MarktTreff-Konzept so erfolgreich macht. Die „lebendigen Marktplätze“, wie Seelhoff sie nennt, sichern Nahversorgung, fördern die dörfliche Gemeinschaft und schaffen Arbeitsplätze. Dabei verbinden sie ganz unterschiedliche Einrichtungen miteinander: Einkaufsladen, Bäcker, Bank und Bücherecke wie in Wester-Ohrstedt, aber auch Gäststätte, Post und Bücherei sind Möglichkeiten, die landesweit umgesetzt werden. Zusätzlich zu den bereits bestehenden 34 MarktTreffs in Schleswig-Holstein befinden sich derzeit 11 weitere Gemeinden in der Planung. Landesziel, das machte Seelhoff deutlich, seien 50. Besonders gut kamen bei den Dänen die vielen regionalen Produkte an, die Schultze von Partnern aus der Umgebung bezieht.
 
Auch Deert Honnens konnte die skandinavischen Gäste beeindrucken: Er zeigte ihnen verschiedene traditionelle Bauernhaustypen, die es in seinem Heimatort Seeth gibt. Anschließend lud er sie in seinen imposanten Haubarg ein. Unter anderem war sein Reetdach im Rahmen des AktivRegion-Projekts „Erhalt der Baukultur in den Landschaften Eiderstedt und Stapelholm“ saniert worden. In dessen Rahmen waren insgesamt 63 Reetdachhäuser mit knapp 750.000 Euro Fördermitteln unterstützt worden. Hanna Fenske von der AktivRegion Südliches Nordfriesland erklärte: „Damit wurden die Ortskerne belebt und für Einwohner wie Touristen interessanter gemacht.“ Außerdem, so Fenske weiter, sei das traditionelle Handwerk der Reetdachdecker unterstützt und so der heimischen Wirtschaft geholfen worden.
 
In der Naturschutzstation Bergenhusen erfuhren die Politiker, wieso die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirten in der Eider-Treene-Sorge-Region besser funktioniert als in anderen Regionen: „Wir haben ein landeseigenes Schutzprogramm, das es uns erlaubt, kurze Laufzeiten von einem Jahr mit den Landwirten zu vereinbaren“, erklärte Julia Jacobsen von der Integrierten Station Eider-Treene-Sorge und Westküste. Dies bedeute zwar mehr Arbeit als mit den 5-Jahres-Fristen bei Einsatz von EU-Mitteln. Aber auf diese Weise, so Jacobsen weiter, könnten die Landwirte flexibel agieren und müssten nur zu bestimmen Zeiten Schutzmaßnahmen ergreifen. Durch die freiwilligen Vereinbarungen, so Jacobsen, laufe der Vertragsnaturschutz in der Eider-Treene-Sorge-Region vorbildlich.
 
Während dreier sonniger Tage in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge konnten sich die Politiker ein Bild von der interkommunalen Zusammenarbeit im nördlichen Binnenland machen. Dabei galt es, Argumente zu sammeln für die Weiterentwicklung der eigenen Strukturen. Jens Peter Hansen zog vorläufig eine positive Bilanz: „Unsere sieben Kommunen haben jeweils zwischen 40 000 und 90 000 Einwohner, aber wir sind nicht in einer Organisation gebündelt wie bei euch.“ Genau daran will das Gudenå Committee arbeiten.