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Da muss jedes Landkind durch

Ämter wollen Mobilität umweltschonend verbessern/Anschluss zum ÖPNV gesucht

Auch das gehört zum Landleben: einsame Bushaltestellen, die nur morgens und abends angefahren werden.
Auch das gehört zum Landleben: einsame Bushaltestellen, die nur morgens und abends angefahren werden.

Kropp In vielen Gemeinden Schleswig-Holsteins beschränkt sich der öffentliche Nahverkehr auf den Schulbus morgens und abends – das war es dann auch schon. Für Bürger ohne eigenen Pkw wird es zunehmend schwieriger zum Supermarkt, zum Arzt oder anderen Einrichtungen des täglichen Lebens zu gelangen. Um die Region lebenswert zu erhalten, wollen die Ämter Kropp-Stapelholm, Arensharde, Viöl, Eggebek, Oeversee, Hohner Harde und Eider die Mobilität auf dem Land zukunftsfähig machen und die Bürger mit einbeziehen.

„Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels werden die Herausforderungen wachsen“, ist sich Regionalentwickler Hauke Klünder von der Eider-Treene-Sorge GmbH sicher. „Wenn die Bürger zuverlässig von a nach b und zurück kommen, können wir die Region ein ganzes Stück attraktiver gestalten“, so Klünder. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich sieben Ämter in der dünn besiedelten Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge zwischen Flensburg, Schleswig, Rendsburg, Husum und Heide zusammen getan. Gemeinsam mit externen Beratern wollen sie ein tragfähiges Konzept entwickeln, das Umweltschutz und Daseinsvorsorge beispielhaft zusammenbringt. Darin enthalten sind unter anderem eine CO²-Bilanz für die Region und konkrete Projekte, die diese – mit einem sozialen Mehrwert – verbessern sollen.

Dass der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) den Bedarf der Landbevölkerung in Zukunft allein abdecken wird, daran glaubt bei den Amtsverwaltungen niemand. Deshalb gehe es nicht darum, so Stefan Ploog, Bürgermeister von Kropp und Vorsitzender der AktivRegion Eider-Treene-Sorge, mehr Linienbusse in die Region zu bekommen. Vielmehr bestehe die zentrale Aufgabe darin, so Ploog, die großen Bahn- und Busachsen sinnvoll und umweltschonend mit dem ländlichen Raum zu verknüpfen. Hierfür sollen vor allem die Möglichkeiten für bürgerschaftliche Mobilitätsformen wie Dorfautos, Bürgerbusse und sicheres Mitfahren auf Kurzstrecken ausgelotet werden. 

Henrik Sander vom Hamburger Planungsbüro orange edge sieht den Auftrag als große Chance zu zeigen, was der ländliche Raum trotz der bekannten Herausforderungen zu bieten hat. „Wir müssen nicht erst mobil machen, wir sind schon unterwegs“, sagte Sander beim Auftakt für die Konzepterstellung. Gemeint sind die vielen Ideen und Lösungen, die es in der Region schon gibt. Denn die Menschen werden nach seiner Erfahrung oft selbst kreativ, ohne dass es die Öffentlichkeit mitbekomme. Sie fahren mit Fahrgemeinschaften zur Schule, mit dem Gemeindebus zum Supermarkt, oder nutzen gar ein eigenes Elektroauto oder E-Bike. Auch die Amtsverwaltungen gehen mit gutem Beispiel voran: Für Ämter und Eider-Treene-Sorge GmbH werden in den kommenden Wochen zehn Elektrofahrzeuge als Dienstwagen angeschafft.

Um Potenzial und Bedarfe zu ermitteln, werden die Mobilitätsplaner zunächst in Kontakt mit den Amtsverwaltungen und Bürgern treten – durch intensive Einzelgespräche und eine Umfrage. Letztere soll sowohl klassisch, auf Papier, als auch Online durchgeführt werden. Noch im Frühjahr erhalten die Menschen die Möglichkeit, sich zu ihrem Mobilitätsverhalten, Wünschen und ihrem Interesse an neuen Fortbewegungsmitteln zu äußern. „Wir wollen nicht am Bedarf vorbeiplanen“, erklärt Stefan Ploog die Schwerpunktsetzung. Innovative Angebote gebe es an vielen Orten, so Ploog weiter, immer wieder erfahre man jedoch davon, dass Projekte eingestampft werden, da sie zu wenig genutzt oder zu teuer seien. Deshalb, so Ploog, wolle man langfristige Lösungen finden, die auf die Region zugeschnitten sind und das Ehrenamt nicht überfordern.

Zu diesem Zweck werden Experten aus dem In- und Ausland herangezogen, um auf mehreren Workshops gemeinsam mit den Bürgern an Lösungen für die Zukunft zu arbeiten. Beteiligen können sie die Menschen außerdem am Regionaltag am 1. Mai in Friedrichstadt, der ganz im Zeichen der Mobilität stehen wird. Yannek Drees von der Eider-Treene-Sorge GmbH erklärt das Konzept: „Wir wollen auf die Menschen zugehen und möglichst viele in den Prozess mit einbinden“, so Drees. Unter anderem werde es die Möglichkeit geben Elektroautos und -Fahrräder zu testen. Das Ziel ist neben der Einbindung der Akteure klar: „Wir wollen die Menschen sicher durch die Region bringen und sinnvolle Alternativen zum Zweit- oder Drittwagen aufzeigen“, sagt Drees

Der Zeitplan für das Gemeinschaftsprojekt ist durchaus ambitioniert: Bis zum Jahresende sollen Konzept und Maßnahmen stehen, noch in diesem Frühjahr finden die Befragung und erste Bürgerworkshops statt. Am Ende soll man sagen können „Da bewegt sich was!“


Das Mobilitätskonzept Eider-Treene-Sorge wird freundlich unterstützt von den Volks- und Raiffeisenbanken und dem Reisedienst Bölck.