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„Unser Dorf hat (k)eine Zukunft“ zu Gast in Eggebek

Mit der Veranstaltungsreihe „Unser Dorf hat (k)eine Zukunft“ machen die AktivRegionen Südliches Nordfriesland und Eider-Treene-Sorge das Handlungsfeld demographischer Wandel und Innenentwicklung greifbar. Die vierte und damit letzte Veranstaltung findet in Eggebek statt.

Unser Dorf hat (k)eine Zukunft in Eggebek

Eggebek, 24.09.2011 – Bei strahlendem Sonnenschein nutzten am Samstag rund 30 Interessierte die Möglichkeit zur Information und Diskussion zum Thema „demographischer Wandel im ländlichen Raum“. Fokussiert wurden die Folgekosten einer sich demographisch wandelnden Gesellschaft und die medizinische Versorgung auf dem Land. Die Veranstaltung war die vierte, und damit letzte, in der Veranstaltungsreihe „Unser Dorf hat (k)eine Zukunft“.

Herr Klaus Dieter Karweik (Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen) zeigte in einem lebendigen Beitrag Perspektiven auf, wie der demographische Wandel positiv für den ländlichen Raum gestaltet werden kann. Karweik formulierte das Ziel, dass die Bevölkerung gemeinsam mit der Politik den demographischen Wandel angehen muss. Nur gemeinsam können die Stärken eines jeden Dorfes aufgezeigt und profiliert werden, denn „jedes Dorf hat eine Seele“. Abschließend wendete sich der Referent explizit an die Kommunalpolitiker und ermutigte sie: „Wagen Sie es, mit Ihrer Bevölkerung von der Zukunft der Dörfer zu träumen“.

Dr.-Ing. Jens-Martin Gutsche (Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität GbR) führte dem Publikum die finanziellen Folgen von Fehlplanungen im Infrastrukturbereich vor Augen – „Wir verfügen künftig über viel technische Infrastruktur für wenige Leute“ so Gutsche. Mit dem Infrastrukturfolgekostenrechner wurden drastisch die zu erwartenden Kosten für die Gemeinden und die Bevölkerung verdeutlicht. Diese kommen in Zukunft auf uns zu, wenn nicht unmittelbar Planungen überdacht werden. Gutsche sah in der innerörtlichen Entwicklung durch Schließung von Baulücken die beste Möglichkeit, jahrelange Kosten für alle durch zersiedelte Dörfer zu vermeiden. Weiter rät er, in Kooperation mit anderen Gemeinden in der Region, sogenannte „Funktionsräume“ zu bilden und so die Tragfähigkeit der sozialen Infrastruktur zu stärken. Aus dem Publikum wurden Bedenken eines drohenden Identitätsverlustes der Dörfer geäußert. Gutsche rät in diesem Fall, den Gemeinden sich die Optionen vor Augen zu führen und einen „nicht schreckgetriebenen Variantenvergleich“ zu vollziehen. Nur eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden ermöglicht langfristig den Erhalt der Dörfer.

„Das Alter ist im Kommen“ eröffnete Frau Anna Grohmann von der Wolfsburg AG ihren Vortrag. Um den Gästen das „Altern auf Probe“ zu ermöglichen, stellte sie einen Alterssimulationsanzug vor. In der Reflexion wurden von den drei Freiwilligen insbesondere die Einschränkungen in den Bewegungen, wie dem Gang, als unerwartet betont.

Der Anzug stellte einen guten Übergang zu dem Vortrag von Herrn Dr. Heiner Garg (Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein) dar. Minister Garg referierte zu der heutigen medizinischen Versorgung und entwarf mögliche Szenarien der Zukunft. Er stellte dabei Möglichkeiten der Politik vor, dem absehbaren Landarztmangel zu begegnen und eine bedarfsgerechte Versorgung zu sichern. Er präsentierte angedachte Projekte, wie das „DocMobil“, bei dem Ärzte in einer Praxis auf Rädern zu den Patienten gelangen. Eine Erleichterung bei der Ansiedlung von Ärzten könnte das Modell der „Zweitpraxis“ sein. So können Ärzte aus der Stadt durch einen weiteren Sitz auch auf dem Land praktizieren. Zudem soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass Kommunen unter bestimmten Voraussetzungen in Zukunft, Ärzte anstellen dürfen. Diese Ideen müssen aber zunächst noch in der Politik diskutiert werden. Garg stellte letztlich klar, dass die „Menschen keine Angst vor Unterversorgung haben brauchen“.

„Unser Dorf hat eine Zukunft“ - Dies ist das Fazit der gesamten Veranstaltungsreihe. Insgesamt nutzten fast 300 Gäste die vier Veranstaltungen, um sich über den demographischen Wandel, seine Auswirkungen auf den ländlichen Raum und mögliche Strategien zum Umgang zu informieren. Jetzt liegt es an den Menschen gemeinsam mit ihren kommunalen Vertretern, die guten Ideen umzusetzen und den demographischen Wandel als Chance für die Zukunft der Dörfer zu begreifen. Gerne stehen Ihnen die beiden AktivRegionen Eider-Treene-Sorge und das Südliches Nordfriesland dabei zur Seite und helfen Ihnen Ihre Projektideen umzusetzen.

Förderung LPLR alt