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Die Zukunft der Wehren im Blick

Amt Eggebek plant Konzept für die langfristige Sicherung der Freiwilligen Feuerwehren/Erste AktivRegion-Sitzung unter Leitung von Thomas Hansen

Quo vadis, freiwillige Feuerwehr? Die große Leistung der Wehren ist unbestritten, doch demografische Entwicklung und knappe Kassen erfordern von den Gemeinden der AktivRegion tragfähige Modelle für die Zukunft.
Quo vadis, freiwillige Feuerwehr? Die große Leistung der Wehren ist unbestritten, doch demografische Entwicklung und knappe Kassen erfordern von den Gemeinden der AktivRegion tragfähige Modelle für die Zukunft.

Hennstedt In der ersten Sitzung unter Leitung des neuen Vorsitzenden Thomas Hansen stand ein bedeutendes Zukunftsthema auf der Agenda der AktivRegion Eider-Treene-Sorge: Das Amt Eggebek möchte für den Jörler Raum die langfristige Aufstellung der Freiwilligen Feuerwehren untersuchen und gemeinsam mit den Wehren modellhafte Lösungsansätze für die Zukunft entwickeln. Außerdem gab es ein positives Votum über die Förderung für ein Entwicklungskonzept des Amtes Viöl, einen Ehrenamtskoordinator für das Amt Arensharde sowie die Weiterentwicklung der HISTOUR-Dithmarschen und eine Qualifizierungsmaßnahme.
 
Die Zukunftsaussichten der Freiwilligen Feuerwehren auf dem Land sind nicht gerade rosig: Die Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig und zudem steigt der Altersdurchschnitt durch den demografischen Wandel. Dabei liegt gerade in der Nachwuchssicherung vielerorts die größte Herausforderung. Im Jörler Raum sind fast 50 Prozent der Kameraden über 50, wie der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Eggebek, Lars Fischer, dem Vorstand der AktivRegion darlegte. Ein weiteres Problem: Die klammen öffentlichen Kassen erfordern Augenmaß bei Investitionen. Gleichzeitig sind Leistung und Bedeutung der Wehren unbestritten. Das Amt Eggebek möchte deshalb modellhaft erarbeiten, wie die Wehren im ländlichen Raum zukunftsfähig aufgestellt werden können. „Noch ist in den meisten Gemeinden alles im Lot, wir sehen aber verstärkt Handlungsbedarf – vor allem in den Bereichen Nachwuchs, Tageserreichbarkeit und Investitionen“, erklärte Fischer. Ziel des geplanten Konzeptes ist es, rechtzeitig auf die Entwicklungen reagieren zu können und die Zukunftsfähigkeit der Wehren zu sichern – über Gemeinde-, Amts- und Kreisgrenzen hinaus.
 
Anhand einer Untersuchung der vier Wehren im Jörler Raum in den Bereichen Personal, Alter, Tageserreichbarkeit, Feuerwehrgerätehäuser, Fahrzeuge und Ausstattung soll zunächst die Einsatzfähigkeit dargestellt werden. Darüber hinaus sollen die geltenden Alarmierungszeiten kritisch hinterfragt sowie die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprüft werden. Fischer ist es besonders wichtig, das Projekt gemeinsam mit den örtlichen Wehren anzugehen. „Wir stehen alle hinter dem Konzept und wollen für dieses wichtige Thema zusammen mit dem Ehrenamt sinnvolle Lösungen für die Zukunft erarbeiten“, so Fischer. Die Kosten betragen insgesamt etwa 185.000 Euro bei einer Förderung von 100.000 Euro durch die AktivRegion Eider-Treene-Sorge.
 
Die Unterstützung des Ehrenamtes genießt auch im benachbarten Amt Arensharde hohen Stellenwert. „Das Ehrenamt ist die Lebensader unserer Dörfer – was fehlt, ist die Wertschätzung“, beschrieb Projektentwickler Lutz Schnoor die Ausgangslage. Es müsse verstärkt daran gearbeitet werden, die Leistungen der Ehrenämtler aufzuzeigen und diese wo es gehe zu unterstützen, so Schnoor weiter. Zu diesem Zweck soll die Stelle eines „Ehrenamtsnetzwerkers“ geschaffen werden, um den Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ziel ist die Vernetzung, Förderung und Betreuung ehrenamtlich tätiger Bürger. Dazu gehören auch Unterstützung bei der Nachwuchssuche, Fachseminare zu wichtigen Themen wie Vereinsrecht, Öffentlichkeitsarbeit oder Fundraising sowie die Schaffung einer Internetplattform für den Austausch. Letztere, so Schnoor, solle auch als App entwickelt werden, um auch die mobile Nutzung zu ermöglichen. Von den voraussichtlichen Gesamtkosten in Höhe von 173.850 € will die AktivRegion 100.000 Euro tragen.
 
Das Amt Viöl will einen Entwicklungsplan bis 2030 entwickeln, um die Handlungsschwerpunkte in den zentralen Themen der Daseinsvorsorge zwischen den Gemeinden abzustimmen. Konkret betrifft dies die medizinische Versorgung, Familienfreundlichkeit, bauliche Entwicklung, Sicherung der freiwilligen Feuerwehren und die Struktur des Schulverbands. Auf Grundlage einer Bestandsaufnahme soll zunächst ein breiter Bürgerdialog in die Wege geleitet werden, um mit dessen Ergebnissen ein Umsetzungskonzept zu erstellen. Erste Impulsprojekte sollen schließlich die Entwicklung in den genannten Bereichen anschieben. Das Amt arbeitet zu diesem Zweck mit Schulen, Kitas, Familienzentrum, Vereinen und Verbänden, den freiwilligen Feuerwehren sowie Bürgern zusammen. Die AktivRegion gibt 55.200 Euro zu den veranschlagten Gesamtkosten von 109.480 Euro dazu.
 
Helge Haalck, Geschäftsführer von Dithmarschen Tourismus e.V., stellte „HISTOUR-Dithmarschen“ vor. Das bekannte Natur- und Kulturleitsystem soll im Rahmen eines Projektes inhaltlich und technisch weiterentwickelt werden. Konkretes Ziel ist die Anpassung von Inhalten der zahlreichen Infotafeln, deren digitale Aufbereitung als Landingpage sowie die Erstellung einer gedruckten Begleitkarte. „So können sich Einheimische und Touristen wahlweise über die Infotafeln, per Audioguide oder auf digitalem Wege mit der bewegten Geschichte Dithmarschens vertraut machen“, erklärte Haalck dem Vorstand. Die professionelle Aufstellung, so Haalck weiter, gewährleiste dabei einen einheitlichen Qualitätsstandard. Der Kreis Dithmarschen übernimmt als Träger 50 Prozent der Kofinanzierung, ebenso der Verein für Dithmarscher Landeskunde. Letzterer verantwortet auch die inhaltliche Aufbereitung, während Dithmarschen Tourismus sich um Koordination und Vermarktung kümmert. Die Gesamtinvestition von 70.567 Euro unterstützt die AktivRegion Eider-Treene-Sorge mit 6.177,55 Euro, den Hauptanteil trägt die AktivRegion Dithmarschen mit 38.297,45 Euro.
 
Ein einheitliches Qualitätsniveau strebt Haalck auch in Sachen Qualifizierung touristischer Leistungsträger an. Diese soll mit dem Vorhaben „Bildung und Information im Tourismus (BIT)“ erreicht werden. Mit der Einstellung von Qualitätsmanagerin Leonie Struve, so Haalck, habe der Verein bereits einen wichtigen Schritt für die Institutionalisierung gemacht. Nun soll im Rahmen eines Projekt ein gebündeltes Qualifizierungsangebot geschaffen werden, um daraus im Rahmen einer Verstetigung regelmäßige Maßnahmen zu entwickeln. Ansprechen möchte Haalck vor allem Leistungsträger ohne eigene Lobby, also kleine Vermieter vor Ort, Gästeführer und Mitarbeiter von Tourist Informationen. Das Schulungsangebot soll vielfältige Themen enthalten, z.B. Kommunikation und Beschwerdemanagement, Sprachen, Rechtsfragen, Gestaltung, Vermarktung oder auch die Besonderheiten des Nationalparks Wattenmeer. Der Verein lässt sich die Qualifizierungsmaßnahme 24.990 Euro kosten, wovon die AktivRegion 1756,10 Euro übernimmt. Auch hier ist die AktivRegion Dithmarschen mit einem Anteil von 10.843,90 Euro Hauptfördermittelgeber.